Dr. med. Michael Küster,
Vizepräsident der DGS


Geboren 1963 in Bonn als eines von vier Kindern, Vater habilitierter Internist, Mutter Allgemeinmedizinerin. Studium der Medizin in Bonn. Facharztweiterbildungen Innere Medizin, Allgemeinmedizin und Anästhesiologie, Zusatzbezeichnungen: Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin, Naturheilverfahren, Sportmedizin, Notfallmedizin und Gesundheitsprävention. Lehre an der Universität Köln (Allgemeinmedizin und Q14-Schmerzmedizin). Leiter des DGS-Schmerzzentrums Bonn Bad-Godesberg mit sechs Ärzten und Psychotherapeuten. Niedergelassen seit 1998. Weiterbildungsermächtigung Allgemeinmedizin und Spezielle Schmerzmedizin.

Ressort:

  • Kopfschmerz
  • Kooperationen im Kopfschmerzbereich
  • Ambulante Versorgung
  • Junge Mitglieder
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Gesundheitspolitik

Kurzinterview mit Dr. med. Michael Küster

Was sind Ihre Ziele für die neue Wahlperiode als Vizepräsident der DGS?

Dr. med. Michael Küster: Zunächst einmal ist es mir wichtig, durch Förderung der Weiterbildung durch KVen und Kassen die schmerzmedizinische Versorgung der Menschen in Deutschland zu verbessern, damit – ähnlich wie bei vielen anderen Fachgruppen – eine systematische Weiterbildung auch in qualifizierten schmerzmedizinischen Weiterbildungseinrichtungen möglich und attraktiver wird. Die Umsetzung der § 75 A Abs. 1 SGB V muss auch für die Weiterbildung zum Schmerzmediziner erkämpft werden, wenn wir nicht eines Tages ohne Schmerzmediziner dastehen wollen, wenn wir sie selbst brauchen. Hierfür sind Auseinandersetzungen mit KVen, Kassen, gegebenenfalls Politik und auch nötigenfalls gerichtliche Feststellungsklagen nötig. Neben den wenigen stationären oder universitären Weiterbildungsstätten muss die Weiterbildung auch im ambulanten Bereich durch Förderung verbessert werden. Wichtig ist es zudem, dass die KVen einen Versorgungsbedarf tatsächlich und verbindlich feststellen. Die Bedarfsplanung ist ein wesentliches Instrument zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung. Die flächendeckende, wohnortnahe, vertragsärztliche Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und Fehlversorgung zu vermeiden, ist Aufgabe der KVen und der KBV. Hierauf müssen wir als die Versorgergesellschaft in der Schmerzmedizin hinwirken. Natürlich gehört die systematische, praktische und gut strukturierte Weiterbildung entsprechend interessierter Kolleginnen und Kollegen zwingend dazu. Hier ist insbesondere unsere Gesellschaft nach dem Prinzip „Aus der Praxis für die Praxis“ geeignet. Die Ausbildung sollte durch Kolleginnen und Kollegen erfolgen, die tagtäglich Schmerzpatienten versorgen. Daher gehört die Förderung dieser Weiterbildung zwingend zu meinen weiteren Bemühungen.

Was ist Ihnen im Bereich Ihrer beruflichen und ehrenamtlichen Arbeit wichtig? Was wollen Sie als neues DGS-Vorstandsmitglied bewegen?

Dr. med. Michael Küster: Das ergibt sich eigentlich teilweise schon aus der Beantwortung der ersten Frage: die Sicherung der überwiegend ambulant darzustellenden schmerzmedizinischen Versorgung durch Qualifikation von Ärztinnen und Ärzten, ambulanten Schmerzpraxen und -zentren sowie die Nachwuchsförderung. Schmerzmedizinisch interessierten Ärztinnen und Ärzten muss es durch finanzielle Förderung der Weiterbildung bei auch kleineren, aber qualifizierten Weiterbildungseinrichtungen möglich sein, ohne Nachteile eine gute praktische Schmerzmedizin-Ausbildung zu erreichen. Dazu ist auch Öffentlichkeitsarbeit, Kontakt in die Politik, aber auch Verbesserungen im Austausch mit anderen (kopf-)schmerzmedizinischen Fachgesellschaften nötig und sinnvoll. Nur gemeinsam und nicht im Disput kann die zukünftige Schmerzmedizin wachsen. Der „Cannabis-Vertrag“ der DGS mit der AOK steht vor dem Abschluss, ein großer Erfolg der Arbeit des letzten Vorstandes. Mir ist es wichtig, Selektiv- und Strukturverträge zur Verbesserung der schmerzmedizinischen Versorgung mit dem Vorstand zu initiieren und zu diskutieren. Dies kann helfen, die zukünftige schmerzmedizinische Bedarfsplanung zu entwickeln. Nötig erscheint es mir auch einen Beitrag zur Abschaffung der zum Teil existenzgefährdenden Arznei- und Heilmittelbudgets sowie Regressdrohungen für die oft ja recht teure medikamentöse Schmerztherapie zu leisten. Wichtig ist mir darüber hinausgehend ein gutes Miteinander, ein gegenseitig respektvoller Umgang und die sachliche Auseinandersetzung im Vorstand im Dienste unserer Fachgesellschaft, denn nur dann kann man konstruktiv gestalten helfen.

Was wollen Sie als Versorgergesellschaft konkret weiter vorantreiben?

Dr. med. Michael Küster: Wir erleben als niedergelassene Schmerzmediziner oft den Frust der Patienten, die in Zeiten einer mangelhaften und eben nicht bedarfsorientierten Versorgung chronisch Schmerzkranker lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen und teilweise sogar schon zu resignieren scheinen. Dies zu ändern geht nur über politische, strukturelle und öffentlichkeitsbasierte Arbeit und Diskussionen, in die der Vorstand eingebunden sein muss. Ziel muss eine Bedarfsplanung (ggf. auch Facharzt für Schmerzmedizin oder eine Gleichstellung zum Facharzt), eine Abschaffung der Arzneibudgets (als ob wir das Geld der Kassen verschleudern oder Patienten vergiften wollten!), eine Förderung der Ausbildung zum Schmerzmediziner (wie in der Allgemeinmedizin und anderen Weiterbildungen auch; Gleichstellungsprinzip), eine Wertschätzung unserer Arbeit und des Bedarfs der Versorgung unserer Schmerzpatienten sein.